Der Quelle-Katalog war jahrelang ein fester Bestandteil deutscher und österreichischer Haushaltskultur. Und brachte dabei ein Homeshopping-Erlebnis mit sich, das vor allem eines war: durchschnittlich. Nichts Schlechtes, aber auch kein Highlight. Quasi die letzte Staffel Stranger Things. Urlaub in Istrien. Kebap bei Foodora bestellen. Tennis im ORF. Meine Bachelorarbeit über Tourismus in Murau. Bachelorarbeiten generell. Gösser Bier. Der Monat September.
Zu diesem farblosen Bestellerlebnis kam noch die Produktauswahl, die neben einigen Highlights auch die Quelle-Eigenmarke „Revuenon“ umfasste – die Versinnbildlichung des Begriffs Durchschnitt.

Mir fiel ein Exemplar des Auto Revuenon 50mm 1.9 in die Hände und ich habe es an einem Sommertag, der wie jeder andere auch hätte sein können, getestet. Mit dabei mein Dackelmischling Fridolin, der weder auf mich hört noch wirklich unerzogen ist.
Aber zurück zum Objektiv. Werfen wir einen Blick auf die – eh schon wissen, welches Adjektiv hier stehen sollte – Specs.
- Brennweite: 50 mm
- Offenblende: f/1.9
- Kleinste Blende: f/16
- Bajonett: M42
- Blendenlamellen: 6
- Naheinstellgrenze: 50cm
- Filtergewinde: 49 mm
- Gewicht: 150 g
- Herstellung: Japan
- Zeitraum: Ende1970er bis Anfang1980er
Man könnte beim Lesen sagen: nicht schlecht, aber eben auch nicht herausstechend. Ein bisschen wie die letzten drei Taylor-Swift-Alben.
Ähnlich verhielt sich das Objektiv beim Test. Ich kam mit durchwegs schönen Fotos nach Hause, die ich aber gefühlt am nächsten Tag schon wieder vergessen hatte – abgesehen vom Bild eines selbst gezimmerten Sargs, den ein Bewohner an die Außenwand seines Carports gelehnt hatte.

Bokeh kann man sich bei einer Offenblende von f/1.9 natürlich erwarten, fällt aber eher dezent und unauffällig aus. Ähnlich ist es mit dem Kontrast und der Schärfe. Keinesfalls schlecht, niemals herausragend. Ich selbst war von der Performance des Auto Revuenon so unbeeindruckt, als wäre es ein Toyota-Mietwagen im Sommerurlaub.
Entsprechend meines Eindrucks und der Performance des Objektivs steht es auch auf Secondhand-Börsen niemals wirklich im Fokus und ist daher günstig zu erwerben. Das kann ich wohl als einzigen echten Kaufgrund für dieses Objektiv nennen. Mit 10 bis 15 Euro ist es auf jeden Fall ein günstiger Einstieg in die Welt der Vintage-Objektive.

Fazit
Ich glaube, ich habe alles gesagt. Ich könnte nur noch ein paar Vergleiche machen: die James-Bond-Kriminalromane. Die vorletzte Staffel Game of Thrones. Pizza Margherita. Billy-Regale mit Vitrinentür. Linkin Park als Headliner. T-Shirts von Vans. Um 11 Uhr von der Party nach Hause gehen. Werkzeuge von Einhell.
Das Revuenon hat seinen Test gut gemacht und dennoch nicht beeindruckt.
+ Sehr günstig zu erwerben
+ Durchschnittlich
– Durchschnittlich


















