In Times of AI: Shoot more Film

von | Aug. 25, 2026 | Allgemein | 0 Kommentare

Ich denke, es ist an der Zeit zu sagen, dass wohl auch der letzten Person auf Social Media die immer gleichen KI-generierten Flyer zum Hals raushängen. Und dass KI-Modifications der Hundeohrenfilter von 2026 sind. Die Welt auf Social Media wird perfekter, nun auch für alle, die zuvor nichts mit Fotobearbeitung anfangen konnten. Die generative KI ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und geht auch nicht mehr weg. So weit, so gut (oder halt auch nicht?). Doch auf jeden Trend folgt ein Gegentrend, und in der Fotografie ist es für mich auf jeden Fall die analoge Fotografie.

Nicht, dass ich erst die alte Analogkamera aus den 90ern ausgegraben hätte, als ChatGPT das Internet revolutionierte. Mittlerweile fotografiere ich seit über 10 Jahren wieder analog und habe massig Spaß dabei. Einerseits am Sammeln von Fotoequipment, andererseits an der erfrischenden Abwechslung, kein unbegrenztes Kontingent an Versuchen für einen perfekten Shot zu haben. Wenn 36 Fotos für einen Shootingtag, einen Wochenendtrip oder gar einen ganzen Urlaub reichen müssen, schaut man einfach anders auf Fotomotive.

Klar ist Filmfotografie super hipsterig, wie Schallplatten sammeln oder mit alten Rennrädern fahren. Aber sie hat halt eben dieses gewisse Nichtreproduzierbare. Ein echter Analoglook ist einzigartig, da dahinter eben nicht nur ein physischer, sondern auch ein chemischer Prozess steckt. Und da sich die Chemie unter Licht einfach anders verhält als ein digitaler Kamerasensor, bringt die belichtete Filmemulsion immer auch gewisse Flaws mit sich. So kann man sich eben niemals sicher sein, ob man gerade das Foto seines Lebens geschossen hat oder doch nur eine maximal nette Erinnerung – eben so lange, bis man das fertige Ergebnis zurück aus dem Labor hat.

Ob man 12 Bilder auf 120er-Film, 36 Fotos auf 35-mm-Film oder 4.000 digital schießt, macht übrigens in der Realität oft wenig Unterschied. Denn schlussendlich hat man fünf bis sechs Favoriten, die man sich behält. Bei meinem Sommertrip an die Ostsee hatte ich meine alte Canon Prima 5 mit einer Rolle Kodak Gold im Gepäck, da sie prima in jede Hosentasche passt und auch super einfach zu bedienen ist. Ein Setup, das ich jedem Interessierten nur sehr ans Herz legen kann. Alte Canon-Kompaktkameras aus den 1990ern bekommt man supergünstig in der Gebrauchtbörse eures Vertrauens – mit ein bisschen Suchen und Glück auch Modelle mit Festbrennweite, die meist eine schärfere Optik bieten. Für die wirklichen Premiummodelle wie die Contax-Modelle, die Olympus-Mju-Serie oder die Yashica T2–T4 legt man, sagen wir mal, auch heute noch gutes Geld hin – da sind wir wohl wieder beim Hipsterhype.

Aber: Analogfotografie muss eben nicht teuer sein, und irgendwo bekommt man auch oft günstig Filme, häufig allerdings abgelaufen. Das macht aber wiederum die Spannung an der Fotografie aus. Während andere Pokémon-Kartenpäckchen öffnen, gebe ich eben Filme zum Entwickeln. Manchmal ist nichts dabei und manchmal ein großer Hit. Die Spannung ist die gleiche.

In Teil 2 der Serie wird es um die besten Kameras zum Einstieg in die Filmfotografie gehen. Bis dahin viel Spaß mit meinen Fotos von der Ostsee.

Raphael Sperl