Vintage Lens Review – PENTACON auto 2.8/135mm MC

von | Juli 21, 2026 | Nature, Review | 0 Kommentare

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Und dennoch stand wenige Wochen später eine Mauer quer durch Berlin. Und auch die ostdeutschen Praktica-Kameras haben ein bisschen die Form eines Ziegelsteins.

Weil ich bei meinem Trip an die Ostsee auch fotografisch nicht untätig war, habe ich einen Klassiker der DDR getestet: das PENTACON 2.8/135. Es war eines der meistproduzierten Objektive der ostdeutschen Planwirtschaft und basiert auf den Plänen des Meyer-Optik Görlitz Orestor 135 mm – einem Stück deutscher Ingenieurskunst. Die Voraussetzungen, hier ein brauchbares Objektiv vor der Kamera zu haben, sind also gegeben. Aber werfen wir zunächst einen Blick auf die Spezifikationen:

Brennweite: 135 mm
Konstruktion: 5 Linsen in 4 Gruppen
Maximale Blendenöffnung: f/2.8
Kleinste Blende: f/22
Blendenlamellen: 6
Anschluss: M42
Naheinstellgrenze: 1,7 m
Filtergewinde: 55 mm
Gewicht: 400 Gramm

Schon bei den ersten Aufnahmen auf der Insel Usedom kamen für mich die Stärken und Schwächen des Objektivs zum Vorschein. Ich brauchte wohl keine zehn Minuten, um die größten Schwächen des Pentacon festzustellen, aber auch zu erkennen, wo es brillieren kann.

Aber zuerst zur größten Schwäche: Das Fokussieren mit dem 135-mm-Objektiv ist nicht gerade einfach. Das ist vor allem der langen Brennweite geschuldet, die das Arbeiten im gezoomten Live-View zu einer ziemlich wackeligen Angelegenheit macht, sofern man das Objektiv nicht irgendwo auflegt. Auch das Drehen am Fokusring geht im Vergleich zu anderen Objektiven eher schwer von der Hand.

Dafür waren die Ergebnisse stets von brauchbarer Schärfe. Um die besten Resultate zu erzielen, habe ich das Objektiv bei Motiven, bei denen die Schärfe eine größere Rolle spielt, meistens auf f/5.6 abgeblendet, um optisch optimierte Ergebnisse zu erhalten. Hier konnte mich das Objektiv auf jeden Fall überzeugen.

Eine Besonderheit hat das Pentacon 135 ebenfalls zu bieten: Die Gegenlichtblende ist fest im Objektiv integriert und lässt sich bei Bedarf einfach ausfahren. Eine Lösung, die ich so bisher noch bei keinem anderen Objektiv gesehen habe und die mir sehr praktisch erscheint.

Apropos Gegenlicht: Hier kommen aufgrund der eher einfachen Konstruktion doch einige Schwächen zum Vorschein, besonders im direkten Gegenlicht, wie bei meinen Sonnenuntergangsfotos.

Ich persönlich nutze Vintage-Objektive gerne für Streetfotografie oder Porträts. Für Ersteres ist das Pentacon aufgrund der langen Brennweite und des dadurch schwierigen Fokussierens eher ungeeignet. Für Porträts hingegen sind die 135 mm bei Offenblende ein guter Einsatzbereich. Das Bokeh ist ruhig und die Schärfe bei Offenblende akzeptabel. So konnte ich ein paar gute Testaufnahmen von meinem Dackel Fridolin machen, der anscheinend gerne mein Fotomodell ist.

Das Pentacon 135 mm ist ein echter Mixed Bag. Doch der größte Vorteil wurde vielleicht noch gar nicht genannt: Durch die große Verfügbarkeit des Objektivs bekommt man es auf Gebrauchtbörsen oft schon für 10 bis 20 Euro. Und zu diesem Preis kann man eigentlich nicht viel falsch machen – vor allem, wenn man bedenkt, dass das Objektiv zu DDR-Zeiten ungefähr ein Drittel des Monatslohns eines Arbeiters kostete.

Fazit:

Einiges gut, einiges schlecht. Ich weiß nicht wirklich, was ich von diesem Objektiv halten soll. Es wird wohl keines meiner Lieblingsobjektive werden, aber dennoch bin ich mit den Fotos meines Praxistests zufrieden.

+ Gute Schärfe, besonders auf f/5.6 abgeblendet
+ Integrierte ausfahrbare Gegenlichtblende
+ Günstig zu finden

– Schwieriges Fokussieren

Raphael Sperl