Wir schreiben das Jahr 1987. Canon läutet mit dem EF-Mount eine neue Ära in der Firmengeschichte ein und setzt damit einen Standard für über 30 Jahre Spiegelreflexfotografie. Doch damit nicht genug: Selbst Objektive aus dem allerersten Lineup der Serie können bis heute an modernen Canon-Kameras verwendet werden, ohne dabei den Autofokus zu verlieren.
Unter diesen frühen EF-Objektiven befand sich auch das Canon EF 35–105mm f/3.5–4.5 – ein Push-and-Pull-Zoom. Eine Zoomtechnik, die schon bald aus der Mode kam und heute fast ein wenig in Vergessenheit geraten ist.
Das Objektiv fiel mir eher zufällig in die Hände, als ich auf einem Flohmarkt eine alte Fotoausrüstung ergatterte. Grund genug, sich dieses gute Stück genauer anzusehen und einem Praxistest zu unterziehen. Aber zuerst einmal die Specs:
Brennweite: 35–105 mm
Konstruktion: 14 Elemente in 11 Gruppen
Offenblende: f/3.5 bei 35 mm – f/4.5 bei 105 mm
Kleinste Blende: f/29
Mount: Canon EF
Naheinstellgrenze: 85 cm
Filtergewinde: 58 mm
Gewicht: ca. 400 g
Markteinführung: März 1987

Für das Review habe ich mir einen Tag ausgesucht, an dem die Bedingungen kaum schlechter hätten sein können – und das aus einem ganz bestimmten Grund. Denn das Objektiv hat auch heute noch einen sehr speziellen Use Case: als Dust-and-Dirt-Objektiv für Situationen, in denen man seine guten Prime-Linsen lieber zu Hause lässt.

So geschehen an einem regnerischen Tag an der polnischen Ostsee. Am Strand von Dźwirzyno kamen mir nicht nur Regen, sondern auch Sand in horizontaler Richtung entgegen. Perfekt, um spannende Naturstimmung einzufangen – aber vielleicht nur suboptimal für das Fotoequipment.
Doch das Canon 35–105mm erledigte von Beginn an einen sauberen Job. Das intuitive Zoomen mit dem Push-and-Pull-Mechanismus – man schiebt das Objektiv nach vorne, um zu zoomen, und zieht es wieder zurück, um den Bildwinkel zu erweitern – funktioniert erstaunlich angenehm. Der Bildwinkel am weitwinkligen Ende ist perfekt für Reportage. Die 105 mm sind okay, aber noch nicht wirklich als echtes Tele zu bezeichnen.Der Autofokus ist zwar langsam und laut, dafür aber zuverlässig. Lediglich bei schnellen Motiven kann die Geschwindigkeit nicht mehr wirklich mithalten.

Auch bei Kontrast und Schärfe performte das 35–105mm durchwegs positiv. Es ist zwar nicht knackscharf, bewegt sich aber in einem Bereich, in dem es nicht negativ auffällt. Bei meinen Testfotos war sogar bei Offenblende am Bildrand noch eine akzeptable Schärfe vorhanden.
Was sich allerdings schnell als größtes Manko des Objektivs herausstellte, war die wirklich starke Vignettierung. Besonders bei 35 mm und Offenblende ist diese extrem ausgeprägt. Da Adobe Lightroom für dieses mittlerweile eher exotische Objektiv keine Profilkorrektur hinterlegt hat, ist auch das Entfernen der Vignettierung im Postprocessing nicht ganz so einfach.

Ansonsten war ich mit der Ausbeute der Fotos wirklich zufrieden. Das Objektiv ist vielseitig genug, um bei einer Reportage ein Sammelsurium unterschiedlichster Shots mit nach Hause zu nehmen. Zwar ist die Naheinstellgrenze von 85 cm für Makroshots alles andere als perfekt, für Details und kleine Motive am Strand reichte sie aber aus.
Fazit:
Das Objektiv hat mich auf ganzer Linie überrascht. Ich hatte mir vom Canon EF 35–105mm f/3.5–4.5 ehrlich gesagt nicht besonders viel erwartet. Doch im Review zeigte sich, dass die Tage dieser Linse noch lange nicht gezählt sind.Besonders das einfache Handling, der praktische Brennweitenbereich und die solide Bildqualität stechen positiv hervor. Der langsame Autofokus, die große Naheinstellgrenze und die starke Vignettierung trüben das Gesamtergebnis zwar etwas, machen das Objektiv aber nicht uninteressant.
Wer das Canon 35–105mm auf einem Flohmarkt, Willhaben oder Vinted günstig findet – meistens in Kombination mit einer analogen Canon EOS – kann hier durchaus ein kleines Schnäppchen machen.



























