Bei einem Kameraflohmarkt fiel mir ein seltsames Objektiv in die Hände, denn weder war mir der Name SICOR ein Begriff, noch war die Brennweite von 23 mm für M42-Objektive geläufig. Dementsprechend kratzte ich die stolzen 5 €, die der Verkäufer für das wertvolle Stück Altglas haben wollte, zusammen und beschloss, dieses Dark Horse in meine Sammlung aufzunehmen.
Viel ist nicht bekannt über das Sicor 23mm 1:3.5 Auto. Fakt ist, dass die Marke Sicor ein Branding für – sagen wir mal – Billigobjektive war und das Objektiv so auch unter diversen anderen Markennamen auf den Markt kam. Rein vom Vergleich des Objektivs mit Fotos von anderen Linsen dieser Brennweite scheint zum Beispiel das Soligor MC Wide-Auto 1:3.5 23mm ein solcher Kandidat zu sein. Auch von Prinzflex und Hanimex konnte ich Objektive finden, die auf jeden Fall baugleich mit dem Sicor scheinen. Aber versuchen wir einmal, die Hard Facts zusammenzufassen:
Hersteller: SICOR
Modellbezeichnung: 23mm 1:3.5 Auto
Herstellungsjahr: unbekannt
Brennweite: 23 mm
Blende: f/3.5 – f/22
Filtergewinde: 62 mm
Blendenlamellen: 6
Gewicht: 252g
Naheinstellgrenze: 90cm

Zusätzlich zur Unbekanntheit des Objektivs kommt noch dazu, dass das Glas auf der Hinterseite des Objektivs einen seltsamen Fehler hat. Dies bestätigt wohl die billige Herstellungsweise und die fehlende Schutzvergütung. Die leicht milchigen Flecken erscheinen auf den ersten Blick wie Schmutz, der leicht mit einem Tuch entfernt werden könnte, entpuppen sich dann aber doch als Fehler, der unter der Oberfläche des Glases liegt. Dies wirkt sich auf den ersten Blick erstaunlich wenig auf die Bildqualität der Linse aus, zeigt aber bei Gegenlicht dann doch einen Einfluss auf das Ergebnis.

Getestet habe ich das Objektiv in zwei unterschiedlichen Szenarien: einmal bei der Wanderung auf den Kerschkernkogel mit Fokus auf Weitwinkelaufnahmen in der Natur und einmal beim Training der Styrian Reavers mit Fokus auf Porträts und Actionshots mit Weitwinkel. Die Ergebnisse hätten unterschiedlicher nicht sein können.
In der Natur verwendete ich das Objektiv meistens um ein paar Blendenstufen abgeblendet, um so den Qualitätsverlust durch das beschädigte Glaselement zu minimieren. Dies funktionierte ausgezeichnet und die Naturshots wirkten nach dem Postprocessing sehr gesättigt und kontrastreich. Was ich aber feststellen musste, war eine extreme Vignettierung an den Ecken, die ich in so einer Intensität noch nie bei einem Objektiv gesehen habe.

Dies ist sicherlich zwei Faktoren geschuldet: Erstens tendierten Weitwinkelobjektive früher generell zu einer Vignettierung, und 23 mm ist bei Vintage-Objektiven schon sehr am weiten Ende. Zweitens wird der Fakt, dass es sich hier um ein Budget-Objektiv handelt, mit Sicherheit auch dazu beigetragen haben, dass dieser Fehler in Kauf genommen wurde. Glücklicherweise stört eine Vignettierung gerade bei Landschaftsaufnahmen nicht wirklich und trägt im besten Fall sogar als Stilmittel bei.
Durch das vergleichsweise geringe Gewicht und kleine Packmaß hatte ich also durchaus meinen Spaß mit dem Sicor 23mm, ohne dass es mir groß ins Gewicht fiel.

Anders sah es bei den Actionshots mit den Styrian Reavers aus, was natürlich auch dem fehlenden Autofokus geschuldet ist. Zwar muss man sagen, dass das Fokussieren durchaus smooth von der Hand geht, allerdings bleibt dann wenig Zeit, um sich auf die Macken des Objektivs einzustellen. Und so zeigten doch einige Shots massive Schwächen wie extremen Kontrastverlust bei Gegenlicht, Schärfeverlust bei Offenblende und ausbrennende Weißtöne.

Zwar war dieser Vintage-Look für dieses Shooting ein bisschen von mir angedacht, fiel an einigen Stellen dann aber doch zu extrem aus. Zumindest kamen durch diesen Test die Flaws schnell ans Tageslicht, denn andere Vintage-Objektive hätten hier doch deutlich besser performt.
Fazit
Das Sicor 23mm macht vor allem dann Spaß, wenn der Weitwinkel eine Rolle spielt. Um diesen Preis findet man sicherlich nur schwer ein Objektiv mit dieser Brennweite. Weniger Spaß machen vor allem die fehlende Schärfe bei Offenblende und der mangelnde Kontrast bei nicht perfekten Lichtbedingungen. Aber für 10–20 Euro würde ich sagen: Kann man sich das Ding schon in die Sammlung stellen.
Pluspunkte:
- Weitwinkel
- Blende und Fokus laufen smooth
Minuspunkte:
- schlechte Schärfe bei Offenblende
- mangelnder Kontrast
- wenig Highlights in den Lichtern
- extreme Vignettierung





















