In den Achtziger- und Neunzigerjahren war es typisch, zu globalen sportlichen Großevents auch speziell gebrandete Kameras zu veröffentlichen. So gibt es bis heute zahlreiche Canon AE-1 Spiegelreflexkameras mit dem Los-Angeles-1984-Logo auf dem Lens Cap. In den 1990ern wechselte dieser Trend weg von den Spiegelreflexkameras hin zu Point-and-Shoot-Kameras, bevor er mit dem Ende der Filmfotografie ganz verschwand.
Bis heute gibt es hier zwei ganz besondere Sammlerstücke – eines zur WM 1994 in den USA und eines zur WM 1998 in Frankreich. Erstere ist aber nicht nur ein begehrtes Sammlerstück, sondern auch eine der besten leistbaren Kompaktkameras. Warum? Das sehen wir uns heute an.

Die Canon trägt den einfachen Namen „11“, passend zum Fußballthema, und hat damit wohl eine der kürzesten Kamerabezeichnungen in der Geschichte der Firma. Interessanterweise hat die Kamera aber noch drei andere Namen, denn es handelt sich hier lediglich um ein Rebrand bzw. eine spezielle Coloredition. Bekannt ist die Kamera in Europa unter dem Namen Canon Prima Mini, in den USA als Canon Sure Shot M und in Japan als Canon Autoboy F, die bereits ein Jahr zuvor – also 1993 – erschien.
Das Besondere an der Canon ist, dass sie aus heutiger Sicht alle begehrten Features einer Point-and-Shoot-Kamera hat, aber dennoch klein, leicht und handlich ist. Die Optik ist eine 32-mm-f/3.5-Festbrennweite mit 3-Punkt-Autofokus und vollautomatischer Belichtung. Zusätzlich hat die Canon einen eingebauten Blitz mit Red-Eye-Unterdrückung, einen automatischen Filmmotor und einen Bilderzähler. Das alles bei hosentaschentauglichen ___ x ___ mm und 190 Gramm. Die wichtige Frage ist aber: Wie ist die Fotoqualität der Kompaktkamera? Das habe ich anhand einiger Rollen Film versucht herauszufinden.

Um nicht von einem einzelnen Film abhängig zu sein, habe ich die Kamera mit verschiedensten Filmen getestet: Kodak Gold, abgelaufenem Farbwelt und Fujifilm Provia. Natürlich performte die Kamera mit den teureren Filmen um einiges besser als mit dem lange abgelaufenen Farbwelt, aber dennoch war die Funktion überall gleich zufriedenstellend. Die Bilder sind scharf, der Kontrast ist bei richtigem Licht gut. Bei Gegenlicht zeigt sich dann aber doch ein bisschen die Schwäche des einfachen 32-mm-Objektivs, bestehend aus drei Linsen in drei Gruppen. Hier ist ein deutlicher Kontrastabfall bemerkbar. Dass man bei wenig Licht doch deutlich mehr darauf achten sollte, die Kamera sehr ruhig zu halten, lege ich in die Kategorie Userfehler – und merke es mir für die nächsten Fotos.

Die 32-mm-Brennweite ist perfekt für Streetfotografie und auch als Urlaubsbegleiter gut geeignet, da man sowohl Landschaften gut einframen als auch Portraits gut erwischen kann. Die Fotos haben out of camera einen klassischen Bildlook der 90er-Kompaktkameras, ohne dabei große Abstriche bei Schärfe und Kontrast zu machen. Natürlich ist die Qualität nicht mit der Schärfe der Spitzenklasse-Analogkameras – Contax lässt grüßen – vergleichbar, muss hier den Vergleich aber keineswegs scheuen.
Wer die gleiche Qualität für einen geringeren Preis möchte, ist natürlich mit einer „Nicht-Special-Edition“ der Canon 11 besser aufgehoben, denn vor allem das ikonische USA-1994-Branding mit dem WM-Maskottchen Striker – übrigens entworfen von den Warner Studios – macht die Kamera zu einem Sammlerstück.
Einziges Manko der Kamera ist meiner Meinung nach das winzige Sucherfenster, da man die Kamera schon richtig nah ans Auge halten muss, um den Bildschnitt korrekt einsehen zu können. Das schränkt zumindest ein bisschen in der Freiheit ein.

Fazit: Besonders die Kompaktheit und die einfache Bedienung machen die Canon 11 zu einer guten Go-To-Kamera für Fotografiebegeisterte, die gerne auch mal Abwechslung in der analogen Ära suchen. Auch ohne viele Vorkenntnisse lassen sich hier Momente in einem einzigartigen Look festhalten. Für mich ist sie definitiv eine Kamera, die ich in meiner Sammlung nicht missen möchte.
























