Vintage Lens Review: Minolta Rokkor 45mm f/2

von | Sep. 8, 2026 | Allgemein | 0 Kommentare

Könnte ich einen Preis für die Low-Budget-Linse des Jahres vergeben, wäre dieses Objektiv wohl der absolute Favorit für das Jahr 2026. Denn während sich bekannte Vintage-Objektive wie das Canon FD 50mm oder die einfach zu adaptierenden M42-Objektive großer Beliebtheit erfreuen, fliegen die analogen Minolta-MD-Objektive weiterhin unter dem Radar. Dementsprechend günstig kann man diese auch noch auf diversen Gebrauchtbörsen erwerben.

Eines sticht hier in Sachen großartigem Flair bei günstigem Preis besonders heraus: Das Minolta Rokkor 45mm f/2 ist durch die interessante Brennweite bei gleichzeitig kompakter Bauweise eine Ergänzung für jede Kamerasammlung. Also werfen wir mal einen Blick auf die Specs:

Brennweite: 45 mm
Konstruktion: 6 Linsen in 5 Gruppen
Maximale Blendenöffnung: f/2
Kleinste Blende: f/16
Blendenlamellen: 5
Anschluss: Minolta SR / MD
Naheinstellgrenze: 60 cm
Filtergewinde: 49 mm
Gewicht: 125 g
Baujahr: 1978-1981

Während ich bei anderen Objektiven immer zuerst gerne die optische Qualität oder das besondere Bokeh hervorhebe, ist es hier die kompakte und leichte Bauweise. Die Pancake-Bauform – weniger hoch als breit – macht es auch fast 50 Jahre nach dem Release zu einem leichten und handlichen Begleiter. Passend beispielsweise bei Bergtouren, wenn man gerne noch eine gewichtsarme, aber lichtstarke Option im Gepäck hat.

Und genau so habe ich es getestet. Bei einer Wanderung im Salzburger Lungau hatte ich es im Rucksack, um eine lichtstarke Ergänzung zwischen Weitwinkel und Teleobjektiv zu haben.

Und trotz manuellem Fokus machte das Minolta von Anfang an einen mehr als soliden Eindruck. Das Fokussieren ist intuitiv und funktionierte für mich sofort einwandfrei. Selbst wenn ich ständig in Bewegung war und nur kurz für ein Foto stehen blieb, verlor ich kaum Zeit und hatte meinen Shot schnell im Kasten. Auch der Wechsel von der minimalen Fokusdistanz bis hin zu weiter entfernten Motiven geht durch den angenehm laufenden Fokussierring ohne Verzögerung von der Hand.

Die perfekte Schärfe erreicht das Objektiv ab einer Blende von etwa f/5.6, was bei den Wanderfotos auch eine meiner Standardeinstellungen war. Bei Offenblende zeigt das Rokkor leichte Schwächen, wobei dies eher beim Fokussieren auf weiter entfernte Motive – beispielsweise Bergrücken in der Ferne – zum Tragen kommt. Beim Fokussieren im Nahbereich fällt dieser Effekt deutlich weniger auf.

Ansonsten gibt es hier wenig auszusetzen. Das Bokeh ist unspektakulär, aber ruhig, die Schärfe und der Kontrast sind hervorragend. Vor allem für einen Fotowalk ist das Objektiv mehr als geeignet.

Mit seinen 45mm Brennweite ist es meiner Meinung nach sogar noch näher am natürlichen Sehempfinden als die klassischen 50mm-Objektive, denen diese Stärke ja oft nachgesagt wird. Ich würde sagen, es geht fast in Richtung Sweetspot zwischen Portraitlinse und Streetphotography-Objektiv.

Für Testportraits holte ich, wie so oft, meinen Dackel Fridolin vor die Kamera und konnte schon nach einer Handvoll Testshots feststellen, dass auch Portraits definitiv eine Stärke des Objektivs sind.

Fazit

Das Minolta Rokkor 45mm f/2 hat mich beeindruckt. Vor allem der Kompromiss zwischen kompakter Bauweise und guter Bildqualität ist herausragend und macht es zu einem Vintage-Objektiv, das man in seiner Sammlung nicht missen möchte.

+ Kompakte und leichte Bauweise
+ Gute Schärfe und guter Kontrast
+ Einfache und angenehme Bedienung

– Etwas Kontrast- und Schärfeverlust bei Offenblende
– Nur 60 cm Naheinstellgrenze

Raphael Sperl