Ein 50mm-Objektiv darf auf keiner Fotoreise im Equipment fehlen. Das ist zumindest einer meiner Grundsätze beim Packen meiner Ausrüstung vor einem Trip. Und auch wenn ich diesmal zum Snowskaten und nicht zum Fotografieren in den USA war, kam natürlich mein Fotorucksack mit über den großen Teich. Auch wenn mein Equipment auf das absolute Minimum reduziert war, für meine Lieblingsbrennweite – die 50mm – war Platz. Dieses Mal aber in besonderer Form. Denn um das Canon FD 50mm 1:1.8 einem echten Realitätscheck zu unterziehen, wollte ich es bei einem Fotowalk in Seattle testen. Aber werfen wir zuerst einmal einen Blick auf die Specs:
Brennweite: 50mm
Bauweise: 6 Elemente in 4 Gruppen
Minimale Blende: f/1.8
Maximale Blende: f/22
Blendenlamellen: 5
Naheinstellgrenze: 60 cm
Gewicht: 168g
Filtergewinde: 52mm
Getestet auf: Canon EOS R6

Das Canon FD 50mm 1:1.8 war das klassische Kit-Objektiv der Canon-Spiegelreflexkameras der 80er-Jahre und damit eines der meistverkauften Objektive dieser Dekade. Schätzungen liegen zwischen 5 und 10 Millionen verkauften Einheiten. Damit ist es vermutlich auch in den Top 3 der meistverkauften Objektive mit manuellem Fokus. Auf jeden Fall ein Grund, dieses nicht zu Unrecht oft verkaufte Schmuckstück einem Test zu unterziehen – und das in einem echten Street-Test.
Natürlich hätte ich mir besseres Wetter für einen Fotowalk gewünscht, aber Seattle ist die Großstadt mit den meisten Regentagen in den USA. Dementsprechend war ich schon froh, dass ich zumindest halbwegs trocken blieb, auch wenn der Himmel grau verhangen war. Das tat meiner Motivation beim Testen des Canon FD 50mm 1.8 aber keinen Abbruch. Zu Fuß machte ich mich auf den Weg – vorbei an der Space Needle, hinunter zum Centennial Park und schließlich weiter zu den Piers und dem Pike Place Market.

Was schon zu Anfang positiv ins Gewicht fällt, ist, dass das Objektiv – trotz der hochwertigen Verarbeitung – klein und handlich gebaut ist. Hier ist eine Offenblende von 1.8 ein Sweet Spot zwischen Lichtstärke und kompakter Bauweise. Natürlich ist es schwerer als heutige 50mm-Linsen der Einsteigerklasse (der Nachfolger, das Canon EF 50mm f/1.8, trägt nicht zu Unrecht den Spitznamen „Joghurtbecher“). Auch wenn es im Vergleich zu den Jahrzehnten davor bereits zum Großteil aus Plastik gefertigt ist, ist die Bauweise eher auf Robustheit als auf Gewicht ausgelegt. Auch nach über 40 Jahren funktioniert die Mechanik wie vermutlich am ersten Tag. Die Blende lässt sich in Stufen verstellen, wobei jedes Klicken eine halbe Blendenstufe bedeutet. So kann man auch ohne hinzusehen nur mit Gefühl das Objektiv genau auf- oder abblenden. Auch das Drehen am Fokusring ist leichtgängig, wodurch das manuelle Fokussieren ein angenehmer Prozess ist.
Der einfache Fokus ist hier bereits einer der größten Pluspunkte, die mir von Anfang an bei diesem Objektiv aufgefallen sind. So ist man auch bei bewegten Objekten schnell am gewünschten Schärfepunkt und verliert nicht unnötig Zeit.

Auch die Abbildungsleistung des Objektivs ist in den meisten Fällen exzellent – lediglich bei Offenblende bemerkte ich außerhalb der Bildmitte, dass es an harten Kanten zu Kontrast- und Schärfeverlust kommt und das Bild dadurch weich wirkt. Dies war vor allem der Fall, wenn bei Offenblende der Fokuspunkt weiter als 5–10 Meter entfernt lag. In diesen Fällen habe ich meist um eine Stufe abgeblendet, und die Schwächen waren verschwunden. Ansonsten konnte ich keine Schwächen bei der Bildqualität feststellen. Ganz im Gegenteil: In der Nachbetrachtung meiner Fotos hätte ich kein besseres Objektiv auswählen können, da ich auch ohne Autofokus meine gewünschten Shots mit nach Hause nahm und gegenüber moderneren und „besseren“ Linsen einen deutlichen Gewichts- und Platzvorteil hatte.
Ein wichtiger Punkt bei meinen Tests ist immer das Bokeh. Und auch hier hatte ich am Canon FD 50mm 1:1.8 nichts auszusetzen. Die Unschärfe ist unspektakulär, ruhig und drängt sich nie auf. Auch Porträts bei Offenblende bereiten Freude – wiederum auch wegen des leichtgängigen Fokus.

Fazit: Abgesehen von einer kleinen Bildqualitätsschwäche bei Offenblende, wenn Motive weiter als etwa 5 Meter entfernt sind, konnte ich keine Fehler beim Canon 50mm 1:1.8 finden. Ganz im Gegenteil: Ich konnte – abgesehen vom manuellen Fokus – kaum einen Unterschied zu modernen Optiken feststellen. Das Fotografieren macht Spaß, und da das Objektiv auch heute noch in großer Stückzahl vorhanden ist, kann man auf Gebrauchtbörsen durchaus ein gutes Exemplar für wenig Geld ergattern.
+ Robuste Bauweise
+ Einfaches Fokussieren
+ Intuitiver und leichtgängiger Blendenring
+ Gute Schärfe, Farbwiedergabe und Kontrast
– Schwächen bei Offenblende, wenn Motive weiter entfernt sind
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